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MOKKA

Modellvorhaben Kommunales Flächenmanagement Landkreis Karlsruhe Potenziale der Innenentwicklung und Aktivierungsstrategien in den Modellkommunen

Projektbeginn:       01.08.2009

Projektende:          31.12.2010

 

 

Eine Zusammenfassung und Kommentierung der Ergebnisse für die Kommune Karlsbad

Mokka ist eine Initiative des Landkreises Karlsruhe. Vor dem Hintergrund eines hohen kreisweiten Flächenverbrauchs und einer stagnierenden Bevölkerungsentwicklung 
sieht man in der verstärkten und verbesserten Nutzung innerörtlicher Baupotentiale (z. B. Baulücken, Leerstände, Brachflächen) eine herausragende Aufgabe für die Zukunft.

Das Modellvorhaben wird vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg (UVM) gefördert.
Der Endbericht zum Projekt ist auf den 21.02.2011 datiert.

 

1.    Ausgangslage, Zielsetzung, Vorteile:

 

Gemeinsam mit den beteiligten Kommunen sollen geeignete Strategien und Maßnahmen zur Aktivierung der innerörtlichen Potentiale erarbeitet werden.

Dabei erfordert auch die demografische Entwicklung im Landkreis eine maßvolle und vorausschauende Siedlungsentwicklung und Flächennutzung.
Um den Wohnraumbedarf zu decken, soll zukünftig vorrangig im Innenbereich gebaut und saniert werden.

Die kommunale Planungshoheit der Kommunen bleibt durch dieses Projekt unberührt.

 

Vorteile werden gesehen in:

-       der effizienten Auslastung der bereits vorhandenen Infrastruktur und dadurch Kostenersparnisse für die Kommunen und Anwohner

-       der Belebung und Aufwertung der Ortskerne

-       der Bewahrung der Ortsbilder / der Schaffung neuer Wohnqualitäten

-       der Erhaltung/Verbesserung der Lebensqualität

-       der Erhöhung der Attraktivität der Ortskerne für junge Familien und Senioren und damit Erreichung einer besseren Durchmischung der Bevölkerungsstruktur

-       Schutz und Erhaltung der Landschafts- und Erholungsqualitäten am Siedlungsrand

-       kalkulierbaren Standortqualitäten für Neubürger

 

2.    Analyse der Innenentwicklungspotentiale und Erhebung des Wohnbaulandbedarfs

 

Im Rahmen des Projektes wurden die innerörtlichen Bau- und Nutzungspotentiale der Kommunen erfasst und ein Innenentwicklungskataster aufgebaut.

 

Für Karlsbad wurden folgende Ergebnissen ermittelt:

-       Bevölkerungsprognose
Für Karlsbad wird eine negative Bevölkerungsentwicklung in Höhe von -4,5 % (absolut  -684 Einwohner) prognostiziert:

 

Auszug aus dem MOKKA Endbericht vom 21.01.2011, Seite 20

Seite 20 MOKKASeite 20 MOKKA

-  Künftiger Wohnbauflächenbedarf


Die Siedlungsflächen in Karlsbad werden überwiegend als Siedlungstyp C und D eingestuft. Hierfür wird als Orientierungswert eine Wohnungsdichte von 45 bzw. 30 Wohnungen je Hektar Bauland angegeben. Für die Berechnung wurden 45 Wohnungen ja ha Bruttobauland zugrunde gelegt, also pro 225 m² eine Wohneinheit und 2,4 Einwohner.

Damit ergibt sich bis 2020 ein Wohnbauflächen-Bedarf von 2,5 ha.

 

Auszug aus dem MOKKA Endbericht vom 21.01.2011, Seite 21

-  Gegenüberstellung Wohnbauflächenbedarf – vorhandene Potentiale

           Auszug aus dem MOKKA Endbericht vom 21.01.2011, Seite 23

Meines Erachtens ist deutlich zu erkennen, dass die vorhandenen Potentiale im Innerbereich von Karlsbad alleine durch Leerstand (7,2 ha) und zukünftig zu erwartende Leerstände (Leerstandsrisiko, 13,8 ha) den Bedarf (2,5 ha) deutlich übersteigen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine übermäßige Bebauung einzelner Grundstücke im Innenbereich zu weiterem Leerstand in den Ortskernen führt und so zur zunehmenden Entvölkerung und Verwahrlosung der Ortskerne beiträgt, damit also im Sinne der Projektzielsetzung kontraproduktiv ist.

3. Strategien, Maßnahmen und Handlungsempfehlungen

Laut Projektstudie bieten sich eine Vielzahl von Möglichkeiten im Bestand an, um eine maßvolle, das Ortsbild erhaltende Nachverdichtung in den Innenbereichen und damit verbunden eine langfristige Ausnutzung der bestehenden Infrastruktur zu erreichen.
Für wichtig erachtet wird auch eine städtebauliche und stadtökologische Beurteilung, vor allem der Baulandpotentiale im unbeplanten Innenbereich, um z. B. ortsbildprägende Grün- und Gartenstrukturen, die wiederum qualitätsbildend für attraktive Innenentwicklungsstandorte sind, zu erhalten.

Es werden folgende Empfehlungen gegeben:

  • die Aufstellung eines städtebaulichen Leitbilds „Innenentwicklung“ mit konkretem Strategie- und Umsetzungsprogramm (was durchaus auch die Erstellung von Bebauungspläne für bisher     unbeplante Gebiete umfassen kann))
  • dessen Vermittlung an Bürger, Bauherren und sonstige Öffentlichkeit durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit (z. B.- Presse und Amtsblatt, Präsentationsreihe zu Umbauten im Bestand)
  • Bürgerbefragung zu Wohnstandorten und Wohnzufriedenheit (im Rahmen Stadtentwicklungskonzept)
  • offene Beteilungsformen für eine aktive Bürgerbeteiligung, Durchführung von Planungswerkstätten

Der frühzeitigen Miteinbeziehung der Eigentümer und Anwohner misst man besondere Bedeutung zu.

 

Mein Fazit
Laut den im Rahmen des Projektes MOKKA ermittelten Zahlen benötigt Karlsbad keine weiteren neuen Wohnbauflächen. Um den bis 2020 prognostizierten Bedarf (2,5 ha) zu decken ist es völlig ausreichend einen relativ geringen Teil der Flächen der vorhandenen Baulandpotentiale (insgesamt 39,9 ha, + 13,8 ha Leerstandrisiko) zurückhaltend und maßvoll zu bebauen. Eine übermäßige Verdichtung auf einzelnen Grundstücken im Ortskern ist entsprechend den Projektergebnissen nicht erforderlich, sondern sogar kontraproduktiv, Die Folgen wären

  • eine Zunahme des Leerstands in den Ortskernen
  • eine Bevölkerungsverdichtung der auf einige wenige Grundstücke bzw. sog. Quartiere
  • die weitere Fortschreitung der Verödung in den Ortskernen.

Vielmehr brauchen wir für Karlsbad ein nachhaltiges und bürger- und familienfreundliches Gesamtkonzept zur städtebaulichen Entwicklung der Ortsteile, das den Bedürfnissen der Bürginnen und Bürgern ebenso gerecht wird wie den wirtschaftlichen Interessen der Kommune.

Im Rahmen unserer Unterschriftenaktion zeigt sich in der Bevölkerung jedoch ein gänzlich anderes Bild. Die aktuelle Baupolitik - oder sollten wir sagen, die nicht vorhandene Baupolitik - der Gemeinde Karlsbad wird ganz überwiegend als ungeordnet und nicht nachvollziehbar empfunden, oftmals sogar als willkürlich und ungerecht. Die Menschen fühlen sich nicht mit ihren Anliegen gehört und viel zu wenig in die Planungen eingebunden.
Auch in Punkto Bürgerbeteiligung gibt es offensichtlich noch reichlich Potential.

 

 

Doris Spiegel, Mitglied der Per.LA  Bürgerinitiative

 

 

Der ausführliche Endbericht zum MOKKA-Projekt ist zu finden auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg:

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